03. 30. 2011
Die Wahrheit über die “Abschaltung mit Augenmaß” – Merkels anbiedernde Wende
Vom Ausstieg aus der Laufzeitverlängerung ist jetzt die Rede, und ein Moratorium hält sieben Meiler für drei Monate still. Und es klingt für sich nicht einmal unvernünftig, in Ruhe zu überlegen, wie die nichtatomare Zukunft Deutschlands aussehen soll, statt übereilt zuhandeln.
Nur: Diese Überlegungen hatte Rot-Grün und hatte die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger bereits hinter sich, als Schwarz-Gelb im annus horibilis neben dem Ausstieg aus der sozial ausgewogenen Krankenversicherung auch den Wiedereinstieg in die Kernenergie durchgedrückt hatte.
Sieben Meiler werden nun “vorübergehend” vom Netz genommen, werfen wir einen detaillierten Blick auf die Faktenlage vor dem Wiedereinstieg durch Schwarz-Gelb, auf die geplanten Laufzeitverlängerungen und auf die jetzige Stillschaltung:
Neckarwestheim 1: ursprünglicher Ausstieg bis 2010, verlängert bis 2019
Biblis A: ursprünglicher Ausstieg bis 2011, verlängert bis 2020
Biblis B: ursprünglicher Ausstieg bis 2011, verlängert bis 2019
Isar 1: ursprünglicher Ausstieg bis 2012, verlängert bis 2019
Brunsbüttel: ursprünglicher Ausstieg 2013, verlängert bis 2020
Unterweser: ursprünglicher Ausstieg 2013, verlängert bis 2020
Philippsburg 1: ursprünglicher Ausstieg bis 2013, verlängert bis 2020
Krümmel: ursprünglicher Ausstieg bis 2021, verlängert bis 2033
Zusammengefasst: Ohne Hineinpfuschen von Schwarz-Gelb wäre eines der vorübergehend stillgelegten Kraftwerke schon vom Netz, zwei weitere wären diese Jahr ohnehin vom Netz gegangen, ein weiteres 2012, drei 2013.
Nur Krümmel sollte bis 2021 laufen, nach Merkels Willen dann sogar bis 2033!!! Ein Reaktor der jetzt von derselben Regierung als dringend stilllegungsbedürftig beurteilt wird! Was für ein Hohn und schon an sich genug Grund für einen kollektiven Rücktritt der momentanen Regierungsakteure.
Das beste ist jedoch: Nach immer noch gültiger Gesetzeslage haben die moratorierten AKW eine Restlaufzeit von bis zu 22 Jahren (Krümmel), das letzte der existierenden AKW soll erst in 25 Jahren vom Netz.
Nach dem schon mit der Atomwirtschaft! ausgehandelten Ausstieg durch Rot-Grün wäre 2023, also in 12 Jahren Schluss gewesen mit dem Irrweg Atom und schon jetzt hätte die Energiewirtschaft alle Anstrengungen auf wirtschaftliche Alternativen gerichtet, statt auf den Erhalt einer Dinosauriertechnologie mit Massenvernichtungspotential.
Die Atompolitik von Schwarz-Gelb hinkt somit sogar dem Denken der Stromkonzerne selbst hinterher und kann nur der Gewinnmaximierung einiger dienen, aber nicht den Bürgern, nicht der Sicherheit, nicht dem Fördern zukunftsweisender Technologieen und nicht dem wirtschaftlichen Aufschwung eines Landes, das sein größtes Wachstumspotential schon immer durch neue Herausforderungen entwickelt hat und nicht durch das konservieren abgehalfterter Technologien.
Babcock-Borsig und seine Dampflokomotiven sind Geschichte, aber BMW, Mercedes und VW sind treibende Kräfte der deutschen Wirtschaft. Was wäre gewesen, hätte seinerzeit eine Regierung krampfhaft an der Dampflokomotiventechnologie festgehalten und neue Entwicklungen behindert? Sicher nicht die deutsche Erfolgsgeschichte, die wir kennen!