11.18.08

Barings Bank reloaded? – Die Lehren aus dem Zusammenbruch einer Bank

Veröffentlicht in News und Politik tagged , , , , , um 10:41 von innertemple

Wer schon ein paar Jahre älter ist, erinnert sich vielleicht an Nick Leeson und seinen Arbeitgeber, die Barings Bank: Bis 1995 das nobelste Geldhaus des Vereinigten Königreiches, musste die traditionsreiche Bank quasi über Nacht Insolvenz anmelden, als ihr Angestellter Nick Leeson sich heftig und unter Umgehung der Aufsichtsgremien verspekulierte (es ging um die damals astronomische Summe von 1,4 Milliarden USD). Die Folge: enormer Druck auf das Britische Pfund, eine fast einjährige Devisenkrise und 6,5 Jahre Haft für Leeson

13 Jahre später verspekulieren sich offensichtlich fast alle Finanzinstitute der Welt und machen Verluste, die allein in Deutschland zu einer Staatsbürgschaft von 500 Milliarden EUR führen. Die Folgen für die Realwirtschaft sind noch gar nicht absehbar, doch neben der ungeheuren Steigerung der verlorenen Geldsumme ist noch ein weiterer Unterschied zu Barings offenkundig:

Während Leeson persönlich mit Gefängnis für die Folgen seines Tuns zur Verantwortung gezogen wurde, verzichten heute höchstens einige Bankvorstände freiwillig auf ihren Bonus, andere, besonders die Chefs der völlig bankrotten amerikanischen Häuser, haben sich vor ihrem Abgang noch mal so richtig bedient, zweistellige Millionenabfindungen waren keine Seltenheit. Nimmt man an, dass ein Opel-Facharbeiter im Monat 4000 EUR kostet, könnten von einer 10 Millionen-Abfindung 2500 Facharbeiter einen Monat lang einschließlich aller Sozialabgaben bezahlt werden – und die 2500 würden für das Geld sogar arbeiten.

Offensichtlich hat die Bankenwelt aus dem Fall Barings gelernt: Alle Verantwortlichen waren so abgesichert, dass auf keinen Fall sie, sondern nur Ihre Angestellten oder alle Steuerzahler für ihre Inkompetenz büßen müssen:

Gier ohne Risiko – das Motto des neuen Jahrtausends!


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