11.30.07

Allein unter Briten 11 – Last Orders!

Veröffentlicht in Allein unter Briten tagged , , , , um 1:48 von innertemple

Alles geht zuende. So auch mein Jahr bei den Briten. Deswegen diesmal ein Abgesang auf eine Institution, die es offiziell gar nicht mehr gibt: die Last Orders.

Sie gehören zum Klischee von Großbritannien wie Nieselregen, Bowlerhat und Umbrella – und sind genauso außer Mode gekommen (außer vielleicht dem Nieselregen, dass es den noch gibt, weiß ich nur zu genau ;-) )

Wer ist Schuld? Klar, Teflon Tony, wie an so vielem anderen auch: Hat er doch den red woolsack samt Lord Chancellor genauso abgeschafft wie die Masse der Heredetary Peers (die erblichen Lords im Oberhaus). Lediglich die Queen hatte er nicht mehr aus dem Buckingham Palast schmeißen können, bevor er sich durch seinen Bellizismus selber aus dem Amt gefegt hatte.

Aber zurück zu den Last Orders: Früher war um elf eben Schluss im Pub. Gegen 22.30h schlug der landlord frenetisch gegen eine Glocke und schrie mehrmals “Last Orders!”. Dann musste man schnell ein oder besser noch zwei pints ordern und die aber bis spätestens 20 nach elf getrunken haben (das Gesetz gab den Gästen 20min extra um ihre Bestellungen auch wirklich genießen zu können). Und danach stand man wirklich auf der Straße, in ganz Großbritannien, in bzw. vor jedem Pub.

Wirklich? Nicht ganz. Die Innenstadt von Liverpool z.B. hatte eine Ausnahmegenehmigung. Dort durfte man bis eins ausschenken. Dann folgte das gleiche Spiel. Und natürlich hatten die Clubs schon damals länger auf, mindestens bis zwei am Morgen. Aber das war auch schon alles.

Jetzt dürfen alle bis zwei Uhr ausschenken, wenn sie um Erlaubnis ansuchen und ihre Gemeinde dass will. Aber kaum ein Pub hat bisher etwas geändert. In York war es allein ein Pub mit Striptease und Table-Dance, dass länger aufmachen wollte. Und dagegen protestierten dann fast alle, auch der Erzbischof, der ja schon mal in seiner eigenen Kirche gegen den Irak-Krieg in Hungerstreit trat, stilecht im Zelt mitten im York-Minster. Also wurde aus der verlängerten Fleischbeschau erstmal nichts.

Die anderen landlords waren sich einig, dass längere Öffnungszeiten nur mehr Arbeit machen, keiner Geld hat, um mehr Pesonal dafür zu beschäftigen und es außerdem sowie spät genug sei, sich erst um elf Uhr Nachts auf den Heimweg zu machen. Deswegen hallt der “Last Orders” Ruf immer noch gegen 22.300h durch ganz Großbritannien als hätte es die Gesetzesänderung nie gegeben.

Und seit Mitte des Jahres auch noch der Smoking-ban dazu kam, war Dave, mein persönlicher landlord auch ganz froh, um halb zwölf endlich den Schlüssel umdrehen und eine rauchen zu können. Die Stammgäste konnten dann auch noch bleiben, eine mitrauchen und am nächsten Tag bezahlen. Schließlich war das dann ja eine geschlossene Gesellschaft. Bei der mir übrigens einmal vorgehalten wurde, dass die Deutschen im Sommerurlaub immer vor den Briten aufstünden (so gegen fünf) und alle Sonnenliegen mit ihren Handtüchern reservierten. Worauf ich noch ein pint auf die “German efficiency” trank.

Bezahlen konnte ich ja beim nächsten mal…

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