09.19.07
Allein unter Briten 8 – How are you doing?
Na ja, eigentlich ganz gut, nur das meeting gestern hat wirklich genervt und dann noch – STOP!
Offensichtlich bist Du kein Brite, wenn Du so antwortest. Korrekt wäre: Fine, thanks, and you? Oder, wenn es Dir wirklich super geht, kannst Du auch „Not bad, actually“ oder „Not bad at all!“ antworten. Aber glaube nie, NIE, dass sich gerade jemand nach Deinem Wohlbefinden erkundigt hat!! Du hattest nur das Glück, die englische und sehr angenehme Form von „Hallo“ zu erleben.
Schüttest Du auf ein „How’re je doin?“ Dein Herz aus, halten Sie (die Briten natürlich) Dich für einen „Moron“, einen Schwachkopf, und sagen beim nächsten Mal vorsichtshalber mal lieber gar nix
.
Überhaupt: Begrüßungen – ein heikles Thema. Richtig wohl fühlen sich die Brits dabei nur, wenn sie sich nicht richtig wohl dabei fühlen.
Gibt man sich jetzt die Hände? Oder besser nicht? Wer stellt wen vor? Stellt man neue Freunde überhaupt vor? Das ganze Zeremoniell ist immer mit etwas Unbehagen und Verschämtheit verbunden. Ich dachte ja zuerst, das liegt an mir, und ich kenne halt den richtigen Umgangscode noch nicht. Aber dann habe ich genau diese Beschreibung in dem sehr lesenswerten Buch „Watching the English“ der englischen (!) Anthropologin Kate Fox gelesen, die bestätigt, dass nur eine unbeholfene Begrüßung „korrekt“ ist, würde alles glatt und fröhlich laufen, gälte das als „amerikanisch“. Und das will hier wirklich keiner, schließlich ist das die Kolonie, und von denen kann man dementsprechend nix lernen.
09.12.07
Allein unter Briten 7 – the real PISA
Wer hat sich nicht schon mal über die Ergebnisse der PISA-Studie gewundert: Deutschland im unteren Mittelfeld. Unsere Schüler (und -innen, PC ist mir Jacke wie Hose, Frauen mag ich trotzdem) dargestellt als halbdebile Computerzocker und Handy-Addicts, o tempora, o mores (Viel hat sich seit Seneca also ohnehin nicht geändert
)!
Kann das eigentlich sein? Baut Deutschland nicht die besten Autos der Welt? Sind unsere Atomkraftwerke nicht die sichersten? Genau wie unsere Renten!? Und warum überholen uns die Finnen so schamlos, die den ganzen Tag in der Sauna sitzen, mit ihren russischen Nachbarn Wodka kippen und als einzigen Wirtschaftszweig Nokia angeben können? Aber kleine Nationen haben vielleicht so ihre eigenen Pluspunkte…
Komischer ist da schon, dass die Briten so weit vor uns liegen, oder etwa nicht? Ganz ehrlich: Ich liebe Großbritannien , aber Großbritannien ist eben auch Kraßbritannien, und was hier an Dumpfbacken rumläuft, geht auf keine deutsche Kuhhaut.
Nur zur Illustration: Eine ehemalige Schülerin der größten Schule in Newcastle hat mir folgendes erzählt: Jeder Jahrgang hatte ca. 350 Schüler aller Lernniveaus. Immerhin wurden die Schüler in sieben Niveaus nach Lernerfolg eingeteilt, zumindest in den wichtigen Fächern wie Mathe, Englisch, Fremdsprachen usw., Deswegen gab es auch keine richtigen Klassen. Allerdings waren bestimmte Fächer wie Werken nicht nach Leistung aufgeteilt sonders zufällig. Und im Werkunterricht passierte wohl eines Tages folgendes: Ein Schüler sägte ein Tischbein an, trat das dann noch vollständig weg und schlug mit dem Tischbein seinem Banknachbarn den Schädel ein. Der arme Kerl lag also mit gebrochenem Schädel am Boden, und ein Mädel mit erster Hilfe-Ausbildung aus der Klasse kümmerte sich um ihn. Wenig später waren auch die Sanitäter da, aber der Wildgewordene ließ die Nothelfer nicht ins Klassenzimmer sondern bedrohte sie weiter mit dem Tischbein, so dass letztendlich das Erste Hilfe Mädel den Schwerverletzten aus dem Werkraum schleifte, während die Sanitäter und die Lehrerin den Schüler überwältigten.
Haare von Mädchen im vorbeigehen anzuzünden gehörte in der Schule übrigens zum Alltag, und in der Abschiedswoche der Abschlussklasse wurden die anderen Schüler regelmäßig mit faulen Eiern und anschließend mit Mehl beworfen, Lehrerinnen wurden regelmäßig Handtaschen gestohlen, Lehrerautos regelmäßig zerkratzt oder gleich ganz demoliert und auch sonst muss es ein wahrer Spaß gewesen sein.
Wer also unter solchen Umständen noch qualitätsvolle PISA-Leistungen erbringt, verdient meine uneingeschränkte Bewunderung. Warum nur, frage ich mich, kauft sich dann alle Welt deutsche Wissenschaftler ein und nicht britische?
Ach, so, noch was, erst kürzlich wurde die Verpflichtung,wenigstens eine Fremdsprache lernen zu müssen, ganz gestrichen. Wenig überraschend sind seitdem die Zahlen für das Ablegen der Abschlussprüfungen in Französisch und Deutsch, der beiden „beliebtesten“ Fremdsprachen, ins Bodenlose gefallen.
Also, was ist los mit der PISA-Studie? Oder ist es in Deutschland noch schlimmer? Die Briten, mit denen ich gesprochen habe, denken bei Deutschland ja eher an das große Vorbild in Sachen Schulbildung…