06.05.07
Allein unter Briten 3 – it’s the way they talk
„What can I bring you, love?“ oder „Here you are, sweetheart!“ wo wird man sonst so nett am Tresen bedient? Dass die Bedienung vierzig ist und eine Zahnlücke hat, tut nichts zur Sache, das sweetheart ist ja auch nicht persönlich gemeint, genauso wenig wie das love, eher eigentlich luv geschrieben und gesprochen und besonders gerne von Kassiererinnen ab 50 im Norden Englands verwendet.
Man ist hier einfach grundsätzlich freundlich. Der Busfahrer wird zum „mate“, also zum Kumpel, und folgerichtet sagt man „Cheers, mate“ oder „Ta, mate!“ wenn man aussteigt und ta und cheers stehen für thank you, so oft wie man sich hier bedankt, braucht man einfach etwas Abwechslung im Wortschatz…
Spannend wird’s besonders dann, wenn jemand was nicht verstanden hat. Hier kommt nämlich der class-indicator ins Spiel. Die Engländer als solche sind nämlich noch immer sehr klassenbewusst, und sowohl der Akzent als auch die Wortwahl verraten unmittelbar, „woher“ jemand kommt. Wenn man also nicht verstanden hat, was das Gegenüber gesagt hat, möchte man ja irgendwie nachfragen. Was sagt der Brite also? Folgende Auswahl bitte nach Schicht ordnen: Sorry, what? Pardon? What? Sorry?
Na? Versucht?
Ganz einfach:
Working Class: What?
Lower Middle – Middle Middle: Pardon?
Middle Middle – Upper Middle: Sorry? oder Sorry, what?
Upper class: What?
Ich hatte in der Schule ja „Pardon“ als das ultimative Wort gelernt, glaube ich zumindest… Hier aber spricht man in der Upper Middle und Upper auch gerne von Pardonia als den subburbs der unteren Mittelklasse, die dann übrigens auch gerne eine Serviette serviette nennen, die oberen Klassen hingegen verwenden das urbritische napkin usw.
Die feinen Sprachunterschiede sind einfach ein Quell nichtendenwollender Offenbarungen. Und als ich mich neulich beschwert hatte, dass mein Akzent einfach zu Deutsch ist, wurde mir (von einem Schotten) empfohlen, mir doch bewusst einen Akzent auszusuchen, sonst gelänge es mir nie, authentisch zu klingen, und am besten wäre doch ein schottischer Akzent. Der hätte außerdem den Vorteil, dass man die Klassenzugehörigkeit nicht so leicht erraten könne, die Schotten geben sich nämlich offensichtlich mit sowas nicht ab. I’m thinking on it…