05.17.07
So reist man heute
Es ist ja alles so einfach: Einfach ein Flugticket im Netz buchen, dann noch den passenden Zug zum Flughafen und los geht’s!
Denkste!
Erster Versuch: Nach Hause im letzten November. Zug kommt pünktlich, Flug läuft wie geschmiert und dann: Auto der Freundin gibt den Geist auf, zum Glück gibts aber Freunde, die ihres leihen, dann muss man nur noch an ein paar brennenden Autos auf der Autobahn vorbei und schon ist man zuhause.
Zweiter Versuch: Gegenbesuch zu Weihnachten. Das Fest der Liebe und Besinnlichkeit, die stade Zeit – und natürlich: Nebel in England. Sowas gibt es dort ja öfter, denkt man. Stimmt auch. Deswegen fallen auch öfter mal die Flüge aus. Ich stehe also gerade schon in Stansted, da wird der Flug gestrichen. Neue kaufen kann man erst ab einer Woche danach, also ab ersten Januar und das will ja wohl kein Mensch. Die Lösung: Neuen Flug nach Glasgow buchen, denn wir wollen über Weihnachten sowieso nach Schottland. Den Urlaub beginnen wir einfach einen Tag früher, das Hotel freut sich und los kanns gehen!? Natürlich nicht. Auf dem Rückweg klappert mein Auto immer lauter, schleppt sich noch bis York, aber für die restlichen geschätzten 1000km reicht es nicht mehr. Also am nächsten Morgen erst AA (den ADAC in England) holen, dann doch in die Werkstatt und noch schnell einen Mietwagen gesucht und ab nach Glasgow. Dann lassen wir die Meilen mal km/h sein und dann klappts auch pünktlich anzukommen. Prima! Und in Schottland stört sich sowieso keiner am Nebel… Und Weinachten auf der Isle of Skye ist unbeschreiblich schön
Dritter Versuch : Besuch im Januar. Nebel gibt es gerade keinen, dafür stehen die Zeichen auf Sturm. Mein Besuch landet in Liverpool, aber alle Züge nach York sind wegen eines Orkans ausgefallen, die Busse haben ca. 5h Verspätung, die Autobahn ist verstopft, also fahr ich am nächsten Tag nach Liverpool und York bleibt unbesucht…
Vierter Versuch: Nach Hause im Februar. Was könnte noch fehlen: Richtig: Schnee! Endlich mal! eine ganz dünne Puderschicht, schätzungsweise 0,5mm. Zum Glück geht mein Flug erst abends, denn am Morgen sind alle Londoner Flughäfen lahmgelegt. Stansted öfnet gegen 11h wieder. Diesmal kommt dann der Zug zu spät, aus Schottland und nicht wegen dem Schnee sondern wegen Signalproblemen in der Nähe von Edinburgh. Die läppische Stunde Verspätung macht auch nix, schließlich gibt es den Anschlusszug ja auch stündlich. Diesmal aber doch nicht! Wegen dem Schnee im Süden. Der ist zwar schon wieder getaut, aber getaut ist noch lang nicht getraut, daher wird der gesamte Bahnverkehr umgelenkt, und ich würde erst 20min vor Abflug am Flughafen ankommen. Was ist zu tun: 100 Pfund für eine gute Stunde Taxifahrt zahlen, rechtzeitig einchecken und dann feststellen, das sich der Abflug um ca. 1,5h verzögert, wegen, genau, wegen erneutem Nebel! Aber dann bin ich doch noch nach Hause gekommen…
Das war schon alles? Natürlich nicht!
Nummer fünf: Wieder ein Heimatbesuch, diesmal im März. Deswegen auch kein Nebel, kein Schnee, kein gar nix. Nicht mal ein Zug, wegen, genau, wegen Signalproblemen in Edinburgh. Aber diesmal bin ich vorbereitet und habe eine Stunde extra dazugegeben. den Anschlusszug verpasse ich zwar, aber der nächste kommt tatsächlich eine Stunde später, bringt mich zum Flughafen und alles wird gut. Nur eine „slight inconvenience“, wie die Zugbegleiter gerne sagen, verbunden mit einem „sorry“.
Numer sechs war ein Erfolg: Konferenz in Italien. Flug nach Mailand und von dort mit zweimal umsteigen nach Trento. Zweimal umsteigen? Das sind ja drei Züge auf einmal! Genau! Und das Italien mit jeweils 15-20mi Zeit zum Umsteigen… Ich war schon richtig gespannt! Als erstes stelle ich fest: Hier sind die Zugtickets ganz schön günstig. Dafür hatte gleich der erste Bummelzug 15min Verspätung und ich zum Glück 20min zum Umsteigen, dachte ich. Auf dem Weg nach Brescia verliert das gute Stück aber noch weitere 15min und nicht nur ich sondern sogar die gesammlten Italiener werden unruhig. In Brescia hasten viele mit mir zum Anschlusszug, un der hat, natürlich, Verspätung. Große Freude allerseits und eine Kaffee bevor es weitergeht. Der IC ist total überfüllt, ich sitze neben einem alten Italiener, der mir stolz auf Deutsch erzählt dass er sieben Sprachen aber kein Englisch spricht, und mit ca. 20min Verspätung geht’s in das nächste Umsteige-Chaos. Aber natürlich bin ich in Italien, und natürlich hat auch mein nächster Zug Verspätung. Deswegen erwische ich den ganz bequem und auf der Strecke holt er die gesamte Verspätung auf, und ich komme pünktlich in Trento an. Una miraculo!
Nummer sieben: Ein Kruztripp in die Ägäis. Völlig langweilig. Olimpic fliegt superpünktlich, verliert kein Gramm meines Transfergepäcks, nur die englischen Züge kommen wieder alle zu spät, natürlich wegen Signalproblemen bei Edinburgh. Mittlerweile habe ich das ja aber standardmäßig mit einer Stunde einkalkuliert, und dann kommt ein vorher verspäteter Zug auch noch genau zu meiner Abfahrtszeit, ich steige einfach ein, finde sogar einen Sitzplatz und unterhalte mich prima mit einer amerikanischen Filmkritikerin.
Von meinen Reiseproblemen habe ich ihr aber nichts erzählt. Wahrscheinlich hätte sie sowieso gedacht, sowas gibt es nur in wirklich schlechten Drehbüchern. Allerdings habe ich mich auch gefühlt wie im falschen Film. Aber auf die Fortsetzung bin ich trotzdem gespannt…