05.21.07
Insula – Kapitel 1
Noch nie in ihrem Leben hatte sie soviel Kleidung getragen wie in den letzten vier Wochen, und noch nie war ihr so kalt gewesen. Einstweilen hatten die Nässe und das Schwanken des Schiffes alle Gedanken aus ihrem Kopf gespült. In enge Kleidung und oft noch mehrere Decken gehüllt existierte sie, aß, schlief vielleicht, träumte von Salzgeruch, Wolken, Sturm, erwachte, würgte brackiges Fasswasser herunter, schlief.
Ihn sah sie kaum. Erinnerungsfetzen an die Nähe seines Körpers kamen ihr in den Sinn, seine Stimme überlagerte in ihren Träumen manchmal das Salz, übertönte den Wind und ließ sie an ein Ende dieses Schrckens glauben
Dann stemmte sie ihre Lider gegen die Salzkrusten auf und war allein, hörte seine Stimme irgendwo auf dem Deck Anweisungen brüllen, verkroch sich zurück unter modriges Leinen und bereute. Dass sie ihm gefolgt war, dass sie Tuvatu entehrt hatte, dem sie seit jeher versprochen gewesen war und dass sie existierte.
An ein Zurück dachte sie nie. Zuviel Wasser hatte sich zwischen sie und diese Möglichkeit gedrängt, mehr als je einer ihres Stammes überwunden hatte, und schon gar keine Frau. Im Boot waren Frauen zwar erlaubt, aber nur als Gäste. Eine Frau am Steuer war jedoch tabu, genauso wie seinen Verlobten zurückzuweisen. Doch genau das hatte sie getan für den Fremden, der jetzt auf dem Deck Kommandos gab, statt seine Wärme mit ihr zu teilen.
„Madoko. Komm.“ Sein Worte weckten sie. Und er lachte. Hob sie an den Schultern auf und wollte mit ihr zur Tür. Da bemerkte sie es. Es war still. Kaum eine Bewegung. Und als er mit ihr aus der Kabine trat, musste sie sich vor der Helligkeit in seinen Armen verbergen. Aber es war warm. Vögel schrieen in fremden Tönen, der Boden schwankte nicht mehr, und sie konnte sich an seinen Körper drücken, während er sie ganz fest hielt. Und für einen ganz kurzen Augenblick galubte sie wieder zu wissen, wie sich Glück anfühlte.
Dann folgte ihr Blick seinem ausgesteckten Arm, und sie sah die Küste näherkommen. Überall waren Häuser aus Stein, umgeben von weiteren Häusern, jedes so groß wie das Ahnenhaus ihres Stammes, jedes aus Stein, und durch alle Gassen floss ein unablässiger Strom Menschen dem Hafen zu.
Während sein Bottsleute zu rufen und zu winken begannen, hatte sie ihre Stimme verloren, und wie warm die Sonne auch auf sie herabschien, und wie eng sie sich auch an den Mann schmiegte für den sie ihre Heimat gegeben hatte, erst jetzt begann ihr wirklich kalt zu werden.
05.18.07
Allein unter Briten 2 – dirty talking
Ich hatte es zwar groß versprochen aber über das Attic-Girl kann ich gar nichts mehr berichten. Das ist nämlich ausgezogen, kein Wunder allerdings, denn in unserem Haus hier regiert das Chaos. Na ja, eigentlich regiert der Schmutz!
Wenn ich mal wieder für eine Woche oder so weg war trifft mich in unserer Miniküche regelmäßig der Dreck. Wir unterhalten uns kurz und jedes Mal versuche ich, ihn zum Auszug zu überreden, aber dann ging doch nur das Attic Girl. Dafür kam dann der Schlurf. Der Schlurf kann sprechen, sagt aber nix, hello vielleicht, fragt dann aber plötzlich nach der TV-licence. Immerhin spült er aber sein Geschirr.
Damit kommen wir zu Joe. Joe spricht, ist freundlich, fröhlich, sucht tagsüber nach Drogenresten in Tatortproben und spült abends kein Geschirr, morgens auch nicht und tagsüber ist sie nicht da. Der Dreck schon, deswegen kann ich mich ja auch mit ihm so gut unterhalten. Allerdings, und das muss man wirklich loben, steuert Joe manchmal eine Rolle Toilettenpapier bei. Na gut, erst nachdem ich einen Zettel hinehängt hatte, dass doch auch mal jemand anders eine neue Rolle hinhängen könnte, wo ich doch ganz offensichtlich nicht der einzige von uns acht bin, der die untere von zwei Toileten benutzt. Joe fand das eine gute Idee und seitdem teilen wir uns das Toiletenpapier nachfüllen. Und vieleicht dachte sie, geteilte Freude ist doppelte Freude und teilt deswegen ihren Dreck in der Küche mit uns. Ich glaube es aber eigentlich nicht.
Wenn der Dreck aber noch ein bisschen länger bleibt und ich mich noch öfter mit ihm unterhalte, vielleicht gewöhne ich mich doch noch an ihn. Ich habe nur die Sorge, wenn wir ihn nicht bald loswerden erwirbt er vielleicht sowas wie ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht und kann nur ausgewiesen werden wenn er einen umbringt. So schlimm ist es aber dann doch nicht. Bisher…
05.17.07
So reist man heute
Es ist ja alles so einfach: Einfach ein Flugticket im Netz buchen, dann noch den passenden Zug zum Flughafen und los geht’s!
Denkste!
Erster Versuch: Nach Hause im letzten November. Zug kommt pünktlich, Flug läuft wie geschmiert und dann: Auto der Freundin gibt den Geist auf, zum Glück gibts aber Freunde, die ihres leihen, dann muss man nur noch an ein paar brennenden Autos auf der Autobahn vorbei und schon ist man zuhause.
Zweiter Versuch: Gegenbesuch zu Weihnachten. Das Fest der Liebe und Besinnlichkeit, die stade Zeit – und natürlich: Nebel in England. Sowas gibt es dort ja öfter, denkt man. Stimmt auch. Deswegen fallen auch öfter mal die Flüge aus. Ich stehe also gerade schon in Stansted, da wird der Flug gestrichen. Neue kaufen kann man erst ab einer Woche danach, also ab ersten Januar und das will ja wohl kein Mensch. Die Lösung: Neuen Flug nach Glasgow buchen, denn wir wollen über Weihnachten sowieso nach Schottland. Den Urlaub beginnen wir einfach einen Tag früher, das Hotel freut sich und los kanns gehen!? Natürlich nicht. Auf dem Rückweg klappert mein Auto immer lauter, schleppt sich noch bis York, aber für die restlichen geschätzten 1000km reicht es nicht mehr. Also am nächsten Morgen erst AA (den ADAC in England) holen, dann doch in die Werkstatt und noch schnell einen Mietwagen gesucht und ab nach Glasgow. Dann lassen wir die Meilen mal km/h sein und dann klappts auch pünktlich anzukommen. Prima! Und in Schottland stört sich sowieso keiner am Nebel… Und Weinachten auf der Isle of Skye ist unbeschreiblich schön
Dritter Versuch : Besuch im Januar. Nebel gibt es gerade keinen, dafür stehen die Zeichen auf Sturm. Mein Besuch landet in Liverpool, aber alle Züge nach York sind wegen eines Orkans ausgefallen, die Busse haben ca. 5h Verspätung, die Autobahn ist verstopft, also fahr ich am nächsten Tag nach Liverpool und York bleibt unbesucht…
Vierter Versuch: Nach Hause im Februar. Was könnte noch fehlen: Richtig: Schnee! Endlich mal! eine ganz dünne Puderschicht, schätzungsweise 0,5mm. Zum Glück geht mein Flug erst abends, denn am Morgen sind alle Londoner Flughäfen lahmgelegt. Stansted öfnet gegen 11h wieder. Diesmal kommt dann der Zug zu spät, aus Schottland und nicht wegen dem Schnee sondern wegen Signalproblemen in der Nähe von Edinburgh. Die läppische Stunde Verspätung macht auch nix, schließlich gibt es den Anschlusszug ja auch stündlich. Diesmal aber doch nicht! Wegen dem Schnee im Süden. Der ist zwar schon wieder getaut, aber getaut ist noch lang nicht getraut, daher wird der gesamte Bahnverkehr umgelenkt, und ich würde erst 20min vor Abflug am Flughafen ankommen. Was ist zu tun: 100 Pfund für eine gute Stunde Taxifahrt zahlen, rechtzeitig einchecken und dann feststellen, das sich der Abflug um ca. 1,5h verzögert, wegen, genau, wegen erneutem Nebel! Aber dann bin ich doch noch nach Hause gekommen…
Das war schon alles? Natürlich nicht!
Nummer fünf: Wieder ein Heimatbesuch, diesmal im März. Deswegen auch kein Nebel, kein Schnee, kein gar nix. Nicht mal ein Zug, wegen, genau, wegen Signalproblemen in Edinburgh. Aber diesmal bin ich vorbereitet und habe eine Stunde extra dazugegeben. den Anschlusszug verpasse ich zwar, aber der nächste kommt tatsächlich eine Stunde später, bringt mich zum Flughafen und alles wird gut. Nur eine „slight inconvenience“, wie die Zugbegleiter gerne sagen, verbunden mit einem „sorry“.
Numer sechs war ein Erfolg: Konferenz in Italien. Flug nach Mailand und von dort mit zweimal umsteigen nach Trento. Zweimal umsteigen? Das sind ja drei Züge auf einmal! Genau! Und das Italien mit jeweils 15-20mi Zeit zum Umsteigen… Ich war schon richtig gespannt! Als erstes stelle ich fest: Hier sind die Zugtickets ganz schön günstig. Dafür hatte gleich der erste Bummelzug 15min Verspätung und ich zum Glück 20min zum Umsteigen, dachte ich. Auf dem Weg nach Brescia verliert das gute Stück aber noch weitere 15min und nicht nur ich sondern sogar die gesammlten Italiener werden unruhig. In Brescia hasten viele mit mir zum Anschlusszug, un der hat, natürlich, Verspätung. Große Freude allerseits und eine Kaffee bevor es weitergeht. Der IC ist total überfüllt, ich sitze neben einem alten Italiener, der mir stolz auf Deutsch erzählt dass er sieben Sprachen aber kein Englisch spricht, und mit ca. 20min Verspätung geht’s in das nächste Umsteige-Chaos. Aber natürlich bin ich in Italien, und natürlich hat auch mein nächster Zug Verspätung. Deswegen erwische ich den ganz bequem und auf der Strecke holt er die gesamte Verspätung auf, und ich komme pünktlich in Trento an. Una miraculo!
Nummer sieben: Ein Kruztripp in die Ägäis. Völlig langweilig. Olimpic fliegt superpünktlich, verliert kein Gramm meines Transfergepäcks, nur die englischen Züge kommen wieder alle zu spät, natürlich wegen Signalproblemen bei Edinburgh. Mittlerweile habe ich das ja aber standardmäßig mit einer Stunde einkalkuliert, und dann kommt ein vorher verspäteter Zug auch noch genau zu meiner Abfahrtszeit, ich steige einfach ein, finde sogar einen Sitzplatz und unterhalte mich prima mit einer amerikanischen Filmkritikerin.
Von meinen Reiseproblemen habe ich ihr aber nichts erzählt. Wahrscheinlich hätte sie sowieso gedacht, sowas gibt es nur in wirklich schlechten Drehbüchern. Allerdings habe ich mich auch gefühlt wie im falschen Film. Aber auf die Fortsetzung bin ich trotzdem gespannt…