03.15.07
Allein unter Briten – first encounter of the third kind
John, mein Nachbar, heißt eigentlich James. Aber schließlich kann man ja nicht alles sofort herausfinden. Als er noch John hieß, wußte ich schon, dass er von London hierher gezogen war aber eigentlich aus Glasgow kommt.
James hingegen, der andere James, ist mittlerweile zu Organic-James geworden, mit seinem dünn-freundlichen Kinnbart und John-Lennon Frisur. Seine Yoko Ono heißt allerdings Claire und ist eher aus dem Basischristengesprächskreis. Ob sie gemeinsam nackt im Bet singen weiß ich nicht. Ich will es außerdem auch gar nicht wissen. Was ich aber weiß ist, dass er seine Wäsche in seinem eigenen Zimmer aufhängt und nicht im gemeinsamen Wohnzimer. Bei acht Leuten ist das auch gut so. Bleiben nur noch sieben, die ihre Wäsche ungleichmäßig über alle Wäscheständer, Stühle und die Heizung im Flur verteilen. Besonders John-James wäscht gerne seine Armee-Kleidung und hängt die schicken schwarzen Shirts mit Armee-Wappen überall hin. Ihre Majestät wird’s gerne sehen, kostenlose Werbung kann heute jeder gebrauchen.
Leider spielt James – John-James – auch Blockflöte, offensichtlich an freien Tagen. Allerdings hat er sein Taktgefühl wohl in Glasgow gelassen und von dort Melodien mitgebracht, die selbst jedem Dudelsackanfänger zur Ehre gereichten. Ist aber ok, ich finde es eher cool, das ein waschechter Soldat sich nicht zu schade ist, seine vollkommene Unmusikalität offen zu zeigen und trotzdem an den Misstönen Spaß haben kann. Ansonsten würde er sicher nicht für Ewigkeiten versuchen, Tonfolgen hinzubekommen, die sich erst gegen die dritte Stunde als Greensleeves erahnen lassen.
Dafür war er gleich interessiert, was ich so mache und versicherte mir sofort, wie sehr auch er sich für Geschichte und Archäologie interessiere. Sogar den Familienstambaum verfolgt er zur Zeit zurück, da schon viele Generationen der Familie beim Militär Karriere gemacht hatten. Auf Nachfrage habe ich dann erfahren, dass er ist immerhin schon bis zum Großvater gekommen ist und von Joe dann schließlich, dass er eigentlich James heißt. Das würde aber nichts machen, meinte sie naserümpfend, er wäre nämlich sowieso nur schwer zu verstehen.
Für mich zwar nicht, ich bin aber auch kein Engländer und verstehe mich mit John-James übrigens sehr gut, dem es auch nichts ausgemacht hat, dass ich seinen Namen verwechselt habe. Er hatte sich einfach gefeut, dass er sich mit mir im Gegensatz zu meinem Vorbewohner unterhalten konnte. John-James war nämlich sehr überrascht, als ich plötzlich da war. Mein Vorwohner hatte wohl niemandem mitgeteilt, dass er bald gehen würde. Aber jetzt ist er ohnehin wieder in der Türkei, hat mir aber seine Kekse dagelassen sowie einen Heizlüfter für den Winter.
Und John, der richtige John, John-John gewissermaßen, wohnt übrigens im Keller.
Das nächste Mal alles über Joe und das Attic-Girl.
03.11.07
Wie weit
Wie weit
Wie weit muss ich noch reisen
wieviel gleichermaßen Fremdes ausprobieren
wieviel Horizonte überqueren
wieoft dieselben Ängste leben
in wieviel Sprachen Abschied formulieren
wieviel Türen hinter mir verschließen
an wieviel anderen um Einlass flehn
wieoft dieselben Fehler machen
wieviel neue Posen ausprobieren
wieviel Schalen auf meinem Weg abstreifen
wie oft nach einer Heimat suchen
nur um zu entdecken,
dass ich vor Jahren schon
zuhause war?
Es ist ein blog, Maria!
Ein Uhr neunundvierzig Greenwich Main Time und ein neuer blog hat das Licht der Welt erblickt. Durch das Zimmer des Bloggers weht noch der eisige Hauch trocknender Wäsche und von draußen dringt das Pöbeln wilder Briten herein. Denn der Blogger sitz in England und freut sich, mal wieder was Deutsches von sich zu geben. Aber weil er hundemüde und der Darjeeling alle ist, geht er jetzt erstmal nickern, bevor er seine Geschichten auf die Welt loslässt… Gute Nacht Welt!